Hallo ihr Lieben!
Hab‘ gerade zum ersten Mal etwas Zeit und dachte, ich teil euch mal meine ersten Eindrücke mit. Hab's also wohlbehalten nach Japan geschafft, nach eher unspektakulärem Flug (wenn man mal davon absieht, dass vermutlich sämtliche japanischen Babys und Kleinkinder mit an Bord waren, die morgens um 7 Uhr dann synchron angefangen haben zu schreien und das eine dann noch kurz vor Landung gekotzt hat, wuhu! Da soll noch mal jemand sagen, Japan hätte ne niedrige Geburtenrate...), konnte allerdings nicht besonders viel schlafen. In Ôsaka angekommen, stand ich dann erstmal eine geschlagene Stunde bei der Passkontrolle, weil Japan jetzt auch Terrorgefahr für sein Land befürchtet... vielleicht wollen es die Mongolen nochmal versuchen? Jedenfalls muss man jetzt nicht nur seine Fingerabdrücke bei der Einreise abgeben, sondern wird auch noch fotografiert.
Immerhin musste ich nach dem ganzen Prozedere nicht mehr auf meine Koffer warten, sondern hab mich dann durchgefragt, wie man nach Tsu (also die Stadt, in der ich studiere) kommt und das hat dann auch ganz gut geklappt. Kam dann zwar wegen der Passkontrolle etwas später an, als gedacht, aber wurde dann planmäßig abgeholt und zur Uni gebracht. Da wurde ich dann erstmal zur Uni-Verwaltung geleitet und durfte nen Haufen Papierkram ausfüllen, danach ging's ganz kurz in mein Wohnheim zum Koffer abstellen und dann gleich weiter zum Rathaus, wo ich mich angemeldet und meine Krankenversicherung beantragt habe. Waren danach dann noch im örtlichen Kaufhaus und danach konnte ich dann endlich mal meine Sachen ausräumen und mich bisschen einrichten. Ne Stunde später ging’s dann auch weiter zur Abschiedsparty von dem Mädchen, mit dem ich mir meinen Austauschplatz hier teile. Hab da dann auch noch ein paar Austauschstudenten und Japaner kennen gelernt, integriert wird man also sehr schnell und die Stadt lernt man dabei auch schnell kennen :) Nach dem 30-Stunden-Tag durfte ich dann endlich wohlverdient schlafen. Hunger hab ich immer noch fast keinen, aber immerhin is der Jetlag einigermaßen weg.
Tsu ist wie eine Mischung aus osteuropäischer Stadtkulisse und Südfrankreich - teilweise recht verrostete Konstruktionen, aber daneben auch, vor allem in Richtung Meer, eher dünenhafte Vegetation. Hat irgendwie schon Charme, vor allem der Campus ist recht schön und auch mein Zimmer ist ganz okay. Ich hab zwar definitiv zu viele Klamotten für den winzigen Schrank, aber ansonsten ist eigentlich möbelmäßig alles da, was frau so benötigt. Ich war allerdings etwas überrascht, dass man komplett sein eigenes Geschirr mitbringen oder kaufen muss und außer dem Herd auch eigene Elektrogeräte braucht. Hab in der Hinsicht aber Glück, da das Mädchen, mit dem ich mir meinen Austauschplatz hier teile, noch da ist und sie mir ihre Sachen vermacht, einschließlich ihres Fahrrads. Man glaubt gar nicht, wie sehr man sich über Kleiderbügel oder ne Schüssel freuen kann! Die restlichen Sachen hab ich dann gestern noch im Supermarkt besorgt, also sprich Lebensmittel, Hausschuhe und bisschen Putzzeug. Werd dann also heute erstmal mein Zimmer durchputzen, da das meine Vorbewohnerin ganz offensichtlich nicht gemacht hat bzw. nur sehr oberflächlich… Allerdings passt das auch zum Gesamteindruck, den ich bisher gewonnen habe, auch die Küche wird eher so oberflächlich geputzt. Deshalb gibt es auch – ja, ihr hört richtig – Kakerlaken in der Küche! Die jetzige Hausverwalterin achtet wohl mehr auf Hygiene als die vor ihr, aber wenn die Viecher einmal da sind, gehen sie nicht mehr so schnell. Neben diesen ganzen Insekten bin ich natürlich schon auf den Sommer gespannt, da man mir schon Horrorgeschichten von den japanischen Tausendfüßlern erzählt hat, die dann tagsüber unter der Türschwelle in dein Zimmer krabbeln und auf dich warten, wenn du abends nach Hause kommst… :D Es bleibt spannend! Aber im Moment ist noch nicht so warm, knapp 15°C oder so…
Einkaufen ist übrigens doch recht teuer im Gegensatz zu Deutschland, aber vermutlich liegt das auch wirklich daran, dass ich eben eher zu „deutschen“ Produkten greife. Hab eigentlich nicht besonders viel gekauft, aber trotzdem über 2000 Yen, also mehr als 20 Euro ausgegeben! Aber wie gesagt ist das wohl nicht verwunderlich, wenn 1 Liter Milch über nen Euro kostet und man auch für ne halb so große Packung Müsli dasselbe zahlt wie in Deutschland. Allgemein sind hier die Packungen und auch die Portionen im Restaurant z.B. meist kleiner… vielleicht sind Japaner ja deshalb so schlank? :D
Heute habe ich meinen Tutor (der wohl auch mein Sprachlehrer wird) getroffen und mich ein bisschen mit ihm unterhalten. Naja, so richtig verstanden hab ich ihn teilweise leider nicht, weil ich einfach nicht genug Vokabeln kann. Von der Grammatik her allgemein geht es einigermaßen, aber ohne den Wortschatz ist einfach noch nicht so viel drin… Jedenfalls hat er mir erzählt, dass es in der Präfektur hier mehrere Tausend Brasilianer gibt. Also Daumen hoch für eventuell Capoeira, Infos für meine Bachelorarbeit und ein bisschen Portugiesisch reden! Zwei hab ich gestern schon bei der Abschiedsparty getroffen. Typisch brasilianisch waren die eher nicht, aber das werden wohl nicht die letzten sein, die ich hier treffe.
Ansonsten werde ich mal fleißig Vokabeln lernen, damit ich bei dem Sprachtest nächste Woche nicht so ganz erbärmlich da stehe und mich auch bald besser mit den Leuten unterhalten kann! Die meisten Japaner können nämlich einfach kein Englisch und das ist auch eigentlich nicht so schlecht, weil man dann wirklich gezwungen ist, Japanisch zu sprechen.
Eigentlich wollte ich heute noch in den anderen Supermarkt, aber krieg erst am Sonntag mein eigenes Fahrrad und kenn mich auch noch nicht wirklich aus. So langsam bräuchte ich nämlich mal nen Wecker oder zumindest ein Handy mit Weckerfunktion. Morgen ist hier allerdings Feiertag, weshalb ich sowohl die restlichen Einkäufe als auch meine Kontoeröffnung und Handy kaufen wohl auf nächste Woche verschieben muss. Dann kann ich hoffentlich auch mein eigenes Internet beantragen, da ich zwar das Uninetz benutze, aber im Moment mit dem Account meines Kommilitonen online bin. Leider ist das Internet hier manchmal so fürchterlich langsam, dass ich geneigt bin zu glauben, noch mit nem 56k-Modem online zu sein… oder eher „online“ :D
Liebste Grüße aus der Ferne
Die Katorin