Samstag, 7. April 2012

Früh kommen, früh gehen!


Yo!

Aus aktuellem Anlass habe ich beschlossen, mal ein bisschen über das japanische Bar-/Partywesen (soweit ich das mittlerweile mitbekommen habe) zu berichten. Ausschlaggebend ist mein gestriger Besuch einer Bar namens „Bazooka“ hier in Tsu, in der ich wohl, wenn ich den anderen glauben kann, noch öfter abhängen werde. Schlichtweg, weil es in Tsu mehr oder minder nur drei Plätze gibt, zu denen man wirklich abends hingehen kann: das Kamayan (die Bar, in der ich gleich am Abend meiner Ankunft noch saß), den Melting Pot (Bar und Club, ist allerdings ein Stückchen weiter weg) und eben das Bazooka. Ich glaube, man hat mir meine Überraschung angemerkt, als ich nach dieser Info nachgefragt habe:
„Kamayan, Melting Pot, Bazooka – das ist alles!?“
- „Jap, mehr gibt’s hier nicht, das ist eben Tsu. Du wirst dich dran gewöhnen!“
(Also wer denkt, in Heidelberg wäre ab und an nichts los, war noch nie in Tsu… har har har… Man muss Tsu bzw. Japan an sich aber wirklich lassen, dass zumindest die Geschäfte an jedem Tag der Woche aufhaben! Also nix mit Sonntag = Ruhetag.)

Japanisches Barverhalten ist aber übrigens sehr amüsant! Ich glaube, es lohnt sich schon alleine deshalb in ne japanische Bar zu gehen, um die Leute dort zu beobachten :D Als ich gestern in diese Bar kam, kam mir erstmal ein Geräuschpegel sondersgleichen entgegen. Auf Nachfrage hab ich dann erfahren, dass das der Tennisclub der Mie Universität war, der wohl irgendwas zu feiern hatte. Jedenfalls lautet das Motto von Japanern, die in eine Bar gehen: Nicht reden, trinken! Der ganze Spaß besteht also darin, dass man sich die ganze Zeit Drinks bestellt und sich gegenseitig lautstark anfeuert, das Glas auf ex leerzutrinken. Die Anzahl der Drinks ist dabei kein Problem, weil in Japan das „Flatratesaufen“ anscheinend recht verbreitet ist (auf japanisch: nomihôdai 飲み放題, "all you can drink"). Man kann sich jetzt allerdings fragen, ob sich das für Japaner wirklich lohnt, denn: Nach 1 Stunde müssen sich schon einige an der Wand abstützen, die ersten kotzen und spätestens nach 2 Stunden zieht der ganze Trupp eher weniger elegant auch schon wieder ab und nur der „harte Kern“ bleibt da.
Also: Früh kommen, früh gehen! (Und dabei jede Menge verkotzte Eimer hinterlassen, mjam mjam mjam…)

Ich persönlich hab mich gestern da doch besser geschlagen. Wir sind um 3 Uhr nachts dann abgezogen und sind dann noch in so ne Art japanisches Fast-Food-Restaurant gegangen. Viel Auswahl gabs für Vegetarier zwar nicht, aber nach einem alkoholreichen Abend ist Reis und Gemüsesuppe echt nicht übel! Bin heute Morgen nichtsdestotrotz ein wenig verkatert aufgewacht, aber hab den Abend im Gegensatz zu anderen wenigstens mit Würde beendet. Und meinen zukünftigen Friseur in Japan klargemacht, hahahaha.

Auf der Party letzte Woche Samstag war’s zwar nicht ganz so lautstark, aber auch da hingen die Japaner irgendwie nur im Barbereich statt auf der Tanzfläche rum (hab ja schon darüber geschrieben). Ich glaube aber, wenn Japaner mit Freund oder Freundin unterwegs sind, benehmen sie sich nicht so hirnlos wie in der Meute. Soll heißen: keine Schnapsleichen, eher blöde Sprüche ;)

Nunja, soviel zu Bar- und Partyverhalten von Japanern erstmal. Werd nachher noch ein wenig spazieren gehen (ist zwar wie immer sehr windig, aber strahlender Sonnenschein und recht angenehm) und ein wenig Japanisch lernen, da ich am Montag den Sprachtest nochmal machen werde, weil ich mit dem Ergebnis von diesem am Donnerstag nicht zufrieden bin. Morgen geht’s dann entweder nach Nagoya, der nächstgelegenen Großstadt hier (da gibt’s auch ne Abada-Gruppe :>) zum Kirschblütenschauen (japanisch „Hanami“) oder ich werd mal im Onsen (Thermalbad) und abends mal noch im Supermarkt vorbeischauen, da man mir heute gesagt hat, dass sonntags kurz vor Ladenschluss Früchte besonders billig seien. Billiges Gemüse gibt’s immer dienstags, ich hoffe, ich kann da noch die einen oder anderen Sachen abstauben, ohne beim Anblick des Preises vom Glauben abzufallen.

Demnächst mehr, unter anderem zu japanischer Mülltrennung (interessant, aber aus deutscher Sicht auch irgendwie seltsam), dem Angebot von der Uni und japanischem Essen! Und natürlich meinem bescheidenen Alltag hier!
Stay tuned!

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